Pflicht oder nicht?
Halterkurse
Eigentlich könnte man einfach antworten: JEIN!
Wie so einiges in der Schweiz, gestaltet sich die Gesetzeslage und die Vorschriften zur Haltung von Hunden, durch den Föderalismus, recht unübersichtlich. Wagen wir einmal einen Blick in diesen Regulations-Dschungel:
Als erstes sollte man wissen, dass es in der Schweiz kein nationales Hundegesetz gibt! Auf nationaler Ebene existiert das Tierschutzgesetz, in welchen der grundsätzliche Tierschutz geregelt wird, und "lediglich" tierschutzrelevante Regelungen zum Thema Hund verfasst sind. Da kommen nun die kantonalen Gesetzgebungen und Verordnungen ins Spiel. Und hier beginnt der Urwald, wo man als Hundehalter schnell die Orientierung verlieren kann.
Doch zuerst nochmals zurück zum «Hundeführerschein».
Im Jahr 2008, genauer am 01.09.2008, wurde im Schweizer Tierschutzgesetz der SKN (Sachkundenachweis) für jeden Hundehalter als obligatorisch erklärt. Diesen könnte man im weitesten Sinne als «Hundeführerschein» bezeichnen, dieser Begriff wurde aus Deutschland übernommen, ist jedoch keine offizielle Bezeichnung für geltende Pflichtausbildungen bspw. von Ersthundehaltern. Das Obligatorium des SKN wurde durch den Nationalrat, aufgrund einer Evaluation des BLV und dem vermeintlich unzureichenden Nutzen, am 01.01.2017 wieder ausser Kraft gesetzt. In die Lücke, welche die Abschaffung des SKN-Obligatoriums hinterliess, sprang die Trägerorganisation des NHB (Nationales Hundehalter Brevet), namentlich der VKAS (Verband Kynologie Ausbildungen Schweiz) und seine Partnerorganisationen wie bspw. BLV (Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen), Schweizer Tierschutz (STS), Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte (GST), Schweizerischen Vereinigung für Kleintiermedizin (SVK), mit dem Konzept des Nationales Hundehalter Brevet - LINK. Das NHB soll, ähnlich dem SKN, dem Halter gewisse kynologische Grundkenntnisse in Theorie und Praxis, sowie Alltagssituationen und das Management dieser vermitteln. Der Kurs wird durch eine Praxis-Prüfung, und bei Bestehen dieser mit einem «Fähigkeitsausweis», abgeschlossen. Als weiteres Fernziel könnte der NHB als schweizweites Obligatorium den abgeschafften SKN ersetzen. Ein erster Schritt in diese Richtung ist die geplante kantonsübergreifende Gültigkeit des NHB.
So weit so gut. Die Abschaffung des SKN bzw. einer national geregelten Ausbildungspflicht bspw. für Ersthundehalter, führte in der Vergangenheit bis zum heutigen Zeitpunkt zu einem "föderalistischen Flickenteppich". Aktuell (Stand 2026) kennen 9 Kantone - BS, FR, GL, LU, NE, TG, TI, VS, ZH - eine Ausbildungspflicht für Ersthundehalter. Der Kanton Schwyz ist aktuell dabei eine weiter Pflicht einzuführen. Z.Zt. ist der Kanton Luzern der einzige dieser Kantone, welcher das NHB als Pflichtkurs eingeführt hat. In den anderen Kantonen sind ähnliche, an das NHB angelehnte Kurse, bis hin zu "eigenen" theoretischen und praktischen Pflichtkursen vorgeschrieben.
Ganz ähnlich verhält es sich mit sogenannten "Listenhunden" bzw. "Hunden mit erhöhtem Gefährdungspotential", deren Haltung, Erziehung und Bewilligungen, sowie in einigen Kantonen geltenden Verbote von einzelnen Rassen. Die Kantone AG, BL, BS, FR, GE, SH, SO, TI, TG, VD, VS und ZH kennen in ihrer Gesetzgebung entsprechende Regelungen in Verbindung mit bestimmten Rassen (Listenhunde).
Sie sehen, so einfach macht es uns der Gesetzgeber nicht. Um das Ganze noch etwas unübersichtlicher zu machen, unterscheiden sich die einzelnen "Hundegesetze" der Kantone. Der Kanton Zug als Sonderfall, hat im Jahre 2015 in einer Abstimmung ein kantonales Hundegesetz verworfen, somit obliegt die Gesetzgebung im Kanton Zug den einzelnen Gemeinden.
Sollten nun alle Klarheiten beseitigt sein, keine Bange. Detaillierte Informationen finden Sie i.d.R. auf der Offiziellen Webseite des Kantons oder dem kantonalen Veterinäramt, oder sie fragen beim "Huntrainer ihres Vertrauens" nach. Weiter finden sie zusätzliche und wichtige Informationen über Pflichten und Rechte als Hundehalter, bspw auf der Homepage von «Tier im Recht».